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Vorsorge9 Min.

Geldanlage für Kinder: So baust du clever Vermögen für den Nachwuchs auf

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Anna

Beraterin ETF & Vorsorge · 31. März 2026

Viele Eltern und Großeltern möchten für den Nachwuchs etwas zurücklegen. Das ist eine großartige Idee, denn je früher du anfängst, desto stärker arbeitet der Zinseszins für dein Kind. Doch klassische Sparbücher sind längst keine gute Wahl mehr. In dieser Lektion zeigen wir dir, welche Alternativen es gibt und wie du das Maximum herausholst.

1. Warum das Sparbuch ausgedient hat

Über Jahrzehnte war das Sparbuch der Klassiker, wenn es ums Sparen für Kinder ging. Oma hat zur Geburt ein Sparbuch eröffnet, und zum 18. Geburtstag gab es eine nette Summe. Heute sieht die Realität anders aus: Die Zinsen auf Sparbücher liegen meist bei 0,01 % bis 0,5 %. Gleichzeitig frisst die Inflation (im Schnitt rund 2 % pro Jahr) das Ersparte auf. Real, also nach Abzug der Inflation, verliert das Geld auf dem Sparbuch jedes Jahr an Kaufkraft.

Rechenbeispiel

50 Euro monatlich auf dem Sparbuch bei 0,5 % Zinsen ergeben nach 18 Jahren rund 11.300 Euro. Die eingezahlte Summe allein beträgt 10.800 Euro. Nur 500 Euro kommen durch Zinsen hinzu. Berücksichtigt man eine durchschnittliche Inflation von 2 %, hat das Geld dann eine deutlich geringere Kaufkraft als heute.

2. Junior-Depot vs. Depot auf den eigenen Namen

Wenn du dich für einen ETF-Sparplan entscheidest, stellt sich eine grundlegende Frage: Eröffnest du ein Depot auf den Namen deines Kindes (Junior-Depot) oder sparst du auf deinem eigenen Depot?

Junior-Depot (auf den Namen des Kindes)

+

Eigener Sparerpauschbetrag des Kindes (1.000 Euro pro Jahr) kann genutzt werden

+

Eigener Grundfreibetrag (ca. 11.784 Euro in 2026), falls das Kind keine weiteren Einkünfte hat

+

Das Kind lernt früh, mit einem eigenen Depot umzugehen

-

Das Geld gehört rechtlich dem Kind. Ab 18 kann es frei darüber verfügen

-

Vermögen des Kindes kann sich negativ auf BAföG-Ansprüche auswirken (Freibetrag: 15.000 Euro)

-

Bei höherem Vermögen kann die Familienversicherung in der Krankenkasse entfallen

Depot auf deinen eigenen Namen

+

Du behältst die volle Kontrolle über das Geld

+

Kein Einfluss auf BAföG oder Familienversicherung des Kindes

+

Flexiblere Verwendung: Du kannst entscheiden, wann und wofür das Geld eingesetzt wird

-

Keine Nutzung der steuerlichen Freibeträge des Kindes

-

Bei Schenkung ab 18 gelten Schenkungssteuerfreibeträge (400.000 Euro pro Elternteil, also in der Praxis selten relevant)

Empfehlung: Für die meisten Familien ist das Junior-Depot die bessere Wahl, solange die Summen moderat bleiben (unter 15.000 Euro zum Studienbeginn, falls BAföG relevant sein könnte). Die steuerlichen Vorteile überwiegen in den meisten Fällen.

3. ETF-Sparplan fürs Kind: So richtest du ihn ein

Die Einrichtung eines ETF-Sparplans für dein Kind ist einfacher, als du vielleicht denkst. In vier Schritten bist du am Ziel:

1

Broker wählen

Nicht alle Broker bieten Junior-Depots an. Gute Optionen sind z. B. Consorsbank, ING oder comdirect. Achte auf kostenlose Sparplanausführung und eine gute ETF-Auswahl.

2

Junior-Depot eröffnen

Beide Elternteile müssen in der Regel unterschreiben. Du brauchst die Geburtsurkunde des Kindes, deine eigenen Ausweisdokumente und die Steuer-ID des Kindes.

3

ETF auswählen

Für einen langen Anlagehorizont eignet sich ein breit gestreuter Welt-ETF ideal, zum Beispiel auf den MSCI World oder den FTSE All-World. Wähle einen thesaurierenden ETF, damit Erträge automatisch reinvestiert werden.

4

Sparplan einrichten und laufen lassen

Lege die monatliche Sparrate fest (schon ab 10 bis 25 Euro möglich) und wähle den Ausführungstag. Dann heißt es: Geduld haben und den Zinseszins arbeiten lassen.

4. Steuerliche Besonderheiten bei Kindern

Kinder haben eigene steuerliche Freibeträge. Das ist ein großer Vorteil, den viele Eltern nicht kennen oder nicht nutzen:

Freibeträge clever nutzen

  • Sparerpauschbetrag: Jedes Kind hat einen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr. Kapitalerträge bis zu dieser Grenze sind steuerfrei. Dafür musst du einen Freistellungsauftrag beim Broker einrichten.
  • Grundfreibetrag: Hat das Kind keine weiteren Einkünfte, können durch eine sogenannte Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) beim Finanzamt sogar Kapitalerträge bis zum Grundfreibetrag (ca. 11.784 Euro in 2026) steuerfrei vereinnahmt werden.
  • Sonderausgabenpauschale: Zusätzlich zum Grundfreibetrag steht jedem eine Sonderausgabenpauschale von 36 Euro zu.

Praxis-Tipp: Richte direkt nach Eröffnung des Junior-Depots einen Freistellungsauftrag über 1.000 Euro ein. Falls die Erträge darüber hinausgehen (was bei größeren Depots passieren kann), beantrage beim Finanzamt eine NV-Bescheinigung für dein Kind.

5. Staatliche Zulagen: Kindergeld, Baukindergeld und Co.

Der Staat unterstützt Familien mit verschiedenen Leistungen. Einige davon lassen sich direkt in den Vermögensaufbau für dein Kind einbinden:

Kindergeld

Seit 2025 beträgt das Kindergeld 255 Euro pro Kind und Monat. Wenn du davon 50 Euro monatlich in einen ETF-Sparplan investierst, nutzt du einen Teil des Kindergelds gezielt für den Vermögensaufbau deines Kindes.

Kinderzuschlag

Familien mit geringerem Einkommen können den Kinderzuschlag von bis zu 292 Euro pro Kind und Monat erhalten. Auch hier lohnt es sich, einen Teil für die langfristige Vorsorge zu nutzen.

Vermögenswirksame Leistungen (VL)

VL-Sparen ist zwar an den Arbeitnehmer gebunden, aber die Arbeitnehmersparzulage kann dir zusätzliches Kapital verschaffen, das du für die Kindervorsorge umleiten kannst.

Wichtig: Das Baukindergeld wurde 2022 eingestellt. Es gibt aktuell kein direktes Nachfolgeprogramm. Informiere dich regelmäßig über neue Fördermöglichkeiten, da sich die Förderlandschaft ändern kann.

6. Praxisbeispiel: 18 Jahre mit 50 Euro monatlich

Schauen wir uns an, was passiert, wenn du ab der Geburt deines Kindes 50 Euro monatlich sparst. Im folgenden Simulator kannst du die Sparrate und die Laufzeit anpassen und siehst sofort den Unterschied zwischen Sparbuch und ETF-Sparplan:

Kinderspar-Simulator

Sparbuch vs. ETF-Sparplan im direkten Vergleich

50
10 €500 €

Sparbuch (0,5 %)

11.303 €

ETF-Sparplan (7 %)

21.662 €

Eingezahlt

10.800 €

Mehrertrag ETF

+10.359 €

Vereinfachte Berechnung ohne Berücksichtigung von Steuern, Inflation und Fondskosten. Vergangene Renditen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Bei 50 Euro monatlich und 18 Jahren Laufzeit zeigt sich der Unterschied deutlich: Während das Sparbuch mit 0,5 % Zinsen auf rund 11.300 Euro kommt, erreicht ein ETF-Sparplan mit durchschnittlich 7 % Rendite etwa 21.700 Euro. Das ist fast das Doppelte. Der Mehrertrag von über 10.000 Euro entsteht durch den Zinseszinseffekt, der bei längeren Laufzeiten immer stärker wirkt.

Was dein Kind damit machen kann

  • Führerschein und erstes Auto finanzieren
  • Erste eigene Wohnung einrichten
  • Ein Auslandssemester oder eine Reise ermöglichen
  • Den Grundstein für die eigene Altersvorsorge legen
  • Startkapital für eine Ausbildung oder ein Studium

Das Wichtigste auf einen Blick

Fang früh an, nutze einen breit gestreuten ETF-Sparplan und vergiss nicht, die steuerlichen Freibeträge deines Kindes auszuschöpfen. Schon mit kleinen Beträgen baust du über 18 Jahre ein beachtliches Startkapital auf. Der beste Zeitpunkt zum Starten? Heute.

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