Private Altersvorsorge: Riester, Rürup oder ETF-Sparplan?
Anna
Beraterin ETF & Vorsorge · 18. März 2026
Die Rente ist sicher. Oder? Wer sich heute für seine Altersvorsorge verantwortlich fühlt, weiß: Auf die gesetzliche Rente allein kann man sich nicht verlassen. Das Problem ist nur: Die Auswahl an privaten Vorsorgelösungen ist gigantisch. Riester, Rürup, betriebliche Altersversorgung, ETFs, Wertpapiere. Wo soll man da anfangen? In diesem Artikel bringen wir Klarheit in das Dschungel der Altersvorsorgeprodukte.
Die drei Säulen der Altersvorsorge
In Deutschland ruht die Altersvorsorge auf drei Säulen. Die erste Säule ist die gesetzliche Rentenversicherung. Dazu zahlen du und dein Arbeitgeber jeden Monat ein. Das Problem: Die Quote ist seit Jahren sinkend. 2025 ersetzt die gesetzliche Rente nur noch etwa 48 % des letzten Nettoeinkommens. Für ein komfortables Leben im Alter reicht das in vielen Fällen nicht.
Deshalb brauchst du Säule zwei und drei. Säule zwei ist die betriebliche Altersversorgung (bAV), die dein Arbeitgeber anbietet. Säule drei ist die private Vorsorge, in die du selbst investierst. Lass uns schauen, was in jede dieser Säulen passt.
Riester: Der staatlich geförderte Sparplan
Riester in Zahlen:
Jahreszulage (Grundzulage): 175 € für alle Sparer
Kinderzulage: 300 € pro Kind pro Jahr
Maximale staatliche Förderung: bis zu 2.100 € pro Jahr möglich
Eigene Mindestsparbetrag: 4 % des Vorjahreseinkommens (ab 60 €/Monat)
Riester ist für viele Menschen eine gute Wahl, wenn sie von der staatlichen Förderung profitieren können. Die Mechanik ist einfach: Du sparst selbst ein, der Staat tobt dazu. Für die meisten Angestellten lohnt sich eine Riester-Versicherung oder ein Riester-Sparplan. Vor allem Eltern profitieren stark von den Kinderzulagen.
Die Frage ist nicht "Ob Riester", sondern "Welche Art von Riester". Traditionelle Riester-Versicherungen mit Kapitalanlagegarantie sind oft teuer und werfen niedrige Renditen ab. Besser sind Riester-Sparpläne oder Riester-ETF-Lösungen, die flexibler und günstiger sind. Im Alter werden deine Riester-Erträge als normale Einkünfte besteuert. Das ist kein Drama, aber es ist wichtig, das zu wissen.
Rürup: Die Lösung für Selbstständige und Besserverdienende
Rürup ist das Gegenstück zu Riester, allerdings nicht für Angestellte, sondern vor allem für Selbstständige und Freiberufler geeignet. Die Idee: Du zahlst einen Betrag in eine zertifizierte Altersversorgung ein und erhältst einen Steuervorteil, weil die Beiträge als Sonderausgaben abzugsfähig sind.
Im Jahr 2026 kannst du bis zu 28.738 € pro Person (oder 57.476 € als Ehepaar) in Rürup einzahlen und von der Steuer absetzen. Das ist interessant für Einzelne mit hohem Einkommen. Der Haken: Dein Geld ist gebunden. Du kannst es nicht einfach auszahlen oder als Sicherheit nutzen. Es ist wirklich eine Altersvorsorge, keine flexible Geldanlage.
Rürup lohnt sich für dich, wenn du selbstständig bist, ein hohes Einkommen hast und von der Steuerersparnis deutlich profitierst. Für normale Angestellte mit moderatem Einkommen ist es weniger relevant.
Betriebliche Altersversorgung (bAV): Das unterschätzte Geschenk
Viele Arbeitgeber bieten eine betriebliche Altersversorgung an. Das ist oft die beste Form der Vorsorge, weil zwei Dinge zusammenkommen: Dein Arbeitgeber zahlt einen Zuschuss (in vielen Fällen mindestens 15 % deines Eigenanteils), und du sparst Steuern und Sozialversicherungsbeiträge.
Rechenbeispiel bAV:
Du zahlst 500 € monatlich in die bAV deines Unternehmens. Dein Arbeitgeber zahlt zusätzlich 100 € (20 % Zuschuss). Du sparst auf deine 500 € Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge (zusammen etwa 42 %). Das bedeutet: Du investierst 290 € netto, erhältst aber 600 € Gesamtbeitrag (500 + 100). Das ist eine sofortige "Rendite" von 107 % auf deinen Einsatz.
Wenn dein Arbeitgeber eine bAV mit anständiger Rendite anbietet, solltest du diese nutzen. Viele Unternehmen haben sich auf moderne, fondsgebundene Lösungen umgestellt, die bessere Renditen bringen als alte Garantieprodukte.
Selbstoptimierung: ETFs als private Altersvorsorge
Nach dem du deine staatliche Förderung (Riester oder bAV) maximal genutzt hast, bleibt die Frage: Wo sparst du darüber hinaus für die Rente?
Viele Finanzberater wollen dir jetzt teure Versicherungen oder komplexe Rentenpolicen verkaufen. Wir sagen es ehrlich: Für die meisten Menschen sind regelmäßige ETF-Sparpläne die bessere Lösung. Sie sind transparent, günstig, flexibel und bringen historisch bessere Renditen.
Ein einfaches Konzept für langfristige Altersvorsorge mit ETFs sieht so aus: Nutze einen breit gestreuten Welt-ETF (MSCI World oder FTSE All-World) mit Sparplan. Ab etwa 50 Jahren kannst du schrittweise einen Anleihen-Anteil erhöhen, um weniger Volatilität zu haben. Das ist kein Hexenwerk, sondern schlichte, bewährte Anlagestrategie.
Steuerliche Anforderungen bei der Altersvorsorge
Riester und Rürup haben steuerliche "Anforderungen" daran, wie du dein Geld im Alter auszahlen darfst. Riester muss ab Renteneintritt als Rente ausbezahlt werden (mindestens als Leibrente oder mit Rentenfonds kombiniert). Rürup hat ähnliche Regelungen. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil, aber es schränkt deine Flexibilität ein.
ETFs dagegen sind vollkommen flexibel. Du kannst auszahlen, wann und wie viel du möchtest. Das macht sie vor allem für jüngere Menschen attraktiv, die noch nicht wissen, wie ihre Lebenssituation mit 65 aussieht.
Deine Entscheidungsmatrix für die richtige Altersvorsorge
Du bist Angestellter mit regulargebendem Einkommen:
Nutze zuerst die bAV deines Arbeitgebers (falls angeboten), dann Riester, dann ETF-Sparpläne. Diese Reihenfolge maximiert staatliche Förderung und Steuerersparnis.
Du bist Selbstständig oder Freiberufler:
Rürup ist deine erste Wahl wegen der Steuerersparnis. Zusätzlich ETF-Sparpläne für Flexibilität. Riester ist für dich weniger relevant.
Du bist jung und flexibel:
Starte mit kostengünstigen ETF-Sparplänen, nutze Riester wenn staatliche Förderung möglich. Die lange Anlagedauer ist dein bester Freund, nutze sie.
Du verdienst gut und willst Steuern sparen:
bAV plus Rürup plus ETF-Sparpläne ist die klassische Kombination. Die Steuervorteil sind beachtlich.
Dein Altersvorsorge-Checkup
Hast du eine bAV?
Wenn ja: Checke die Rendite. Wenn nein: Frage deinen Arbeitgeber danach.
Nutzt du Riester vollständig?
Wenn nein: Berechne deinen Förderanspruch. Das ist Geld, das du liegen lässt.
Hast du darüber hinaus gespart?
Erwäge ETF-Sparpläne für Flexibilität und bessere Renditen.
Kennst du dein Rentenziel?
Wieviel brauchst du monatlich im Alter? Das ist die Basis für deine Planung.
Altersvorsorge ist kein einteiliges Puzzle mit einer Lösung. Es ist eher wie ein Menü, aus dem du dir die besten Komponenten für deine Situation heraussuchst. Wenn du unsicher bist, was für dich sinnvoll ist, lade dir unseren kostenlosen Altersvorsorge-Ratgeber herunter oder vereinbare ein persönliches Gespräch. Unsere Berater helfen dir, einen Plan zu entwickeln, der zu dir passt.
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